Archiv für den Monat Februar 2016

… und an der Gegenwart krepiert die Leidenschaft – Peter Stamms „Weit über das Land“

Eine Bilderbuchfamilie, ein Ehepaar mit Sohn und Tochter, ist gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt, und nun sitzt Thomas mit seiner Frau Astrid auf der kleinen Bank vor ihrem Häuschen in einer Schweizer Kleinstadt. Die beiden trinken noch ein Glas Rotwein in den letzten Strahlen der untergehenden Augustsonne. Als Astrid ins Haus geht, um die Koffer auszupacken und sich bettfertig zu machen, verlässt Thomas kommentarlos, ohne ein Wort des Abschieds, ohne Erklärung seine Familie. Kein Krach, kein Streit, kein großes Ehedrama. Einfach so lässt er sein ganzes Leben, das von außen so idyllisch und gelungen gewirkt haben muss, hinter sich und macht sich auf einen Weg „weit über das Land“. … und an der Gegenwart krepiert die Leidenschaft – Peter Stamms „Weit über das Land“ weiterlesen

1000 Zeichen für…

Golo Manns „Wallenstein“

Träumen tue ich Spinnweben und Angst und Kot

Ein Warlord in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Penibel aufgelistete Baumaßnahmen Wallensteins, neben Inneren Monologen. Etwas poetisch sei ihm sein „Wallenstein“ geraten, urteilt Golo Mann selbst. Vielleicht hat der Text auch deshalb mehr zu bieten als das bloß historische Interesse an einer ambivalenten Figur in einem religiös verbrämten Hegemonialkrieg. 1000 Zeichen für… weiterlesen

Ernstfall, es ist schon längst soweit – Juan S. Guses „Lärm und Wälder“

Dystopien sind gerade sehr in Mode, was wohl vor allem daran liegt, dass dies eine Form ist, in der sich die gegenwärtige Stimmungslage besonders gut bündeln lässt. Eine Gesellschaft, die sich spätestens seit dem Börsencrash 2008 in einem Zustand der Dauerkrise befindet, möchte, zumindest literarisch, das bestätigt sehen, was man immer schon wusste: Das Ende ist nah. Auch wenn sich diese permanente Krise auf das alltägliche Leben für die meisten gar nicht spürbar auswirkt. Die Angst will sich bestätigt wissen. Der wohlige Grusel vor dem Untergang will zumindest in der Fiktion ausgelebt werden. Auch in „Lärm und Wälder“ erschafft der deutschen Autors Juan S. Guse eine Dystopie, allerdings auf so raffinierte Art und Weise, dass ein Blick auf den Roman allemal lohnt, denn hier ist es die Paranoia selbst im Angesicht einer diffusen Bedrohungslage, die verhandelt wird. Ernstfall, es ist schon längst soweit – Juan S. Guses „Lärm und Wälder“ weiterlesen